Verein zur Förderung der Kinder & Jugendliteratur e.V.
Verein zur Förderung der Kinder & Jugendliteratur e.V.

Was wir dachten, was wir taten

 

Lea-Lina Opperman

 

BELTZ & Gelberg

 

Verlagsempfehlung ab 14  Jahre

 

Das Buch wird aus der Sicht der Schüler Fiona Nikolaus, Mark Winter und des Mathelehrers Herrn Filler geschildert. In kurzen Abschnitten wird die spannende Geschichte so fortlaufen erzählt.

Und es ist eine Geschichte, die einem den Atem nimmt. Aufgrund einer Durchsage wird zunächst die Klassentüre geschlossen. Sollte es sich wirklich um einen Amoklauf handeln?

Mark ist der typische Hinterbänkler, der von den Lehrern schikaniert und von den Schülern nicht anerkannt wird. Er hat ein schwieriges Elternhaus mit einem gewalttätigen Vater. Eine Narbe in seinem Gesicht zeugt davon. Fiona, überdurchschnittlich begabt und ein Kopfmensch aus gutem Hause, schwärmt für Sylvester, den hübschen Mitschüler.

Herr Filler trägt zur Jeans ein Sakko mit gepolsterten Schultern. Er ist Vertrauenslehrer und versucht dieser Wahl gerecht zu werden. Aber in dieser Situation ist er völlig hilflos. Es gibt keine konkrete Anweisung für eine solchen Amoklauf an die er sich halten kann.

Wie er im Text selber feststellt, kann er nie mehr vor diese Klasse treten, er denkt oft an die Moralvorstellungen seiner Freundin und wie sehr er sie mit seinem Verhalten enttäuscht.

Durch einen Trick kommt der Attentäter in die Klasse und man merkt, dass er die Strukturen der Gemeinschaft und die Geheimnisse der Einzelnen kennt. Und warum erschießt er nicht einfach alle? Warum muss der Klasse Aufgaben erfüllen, die alle Beteiligen nackt und bloß dastehen lässt?

Die junge Autorin schafft auf 177 Seiten so viel Spannung aufzubauen, dass man das Buch nicht gerne aus der Hand legt. Vor allem die Frage, "wie kann sich das alles noch logisch auflösen?" hält einen im Bann. Aber am Ende hat alles seinen Grund und wir merken, wie heuchlerisch wir doch alle in unserem Miteinander sind.

 

Dagmar Mägdefrau

 

 

Gips

oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte

 

Anna Woltz

 

Carlsen

 

Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017!

Gewinner des katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2017

 

"Eltern werden erst gefährlich, wenn sie nicht mehr küssen". Bisher war die Welt für die zwölfjährige Fitz in Ordnung, es gab Papa und Mama und die kleine Schwester Bente. Aber am zweiten Weihnachtstag findet ein "Schirmgespräch" statt, in dem die Eltern eröffnen, dass sie sich trennen und die beiden Töchter werden die halbe Woche bei einem Elternteil verbringen. Dazu packen die beiden eine "Hin-und- her-Tasche", um immer alles bei sich zu haben. Dieses Wochenende sind sie beim Papa. Da geschieht eine Unfall mit dem Fahrrad auf glatter Straße und Bente wird eine Fingerkuppe abgeschnitten. So erleben wir einen Tag im Krankenhaus, während es draußen immer fester schneit.

Zunächst lernt Fitz Adam kennen. Er hat einen keinen Bruder, der als Frühchen geboren in einem Brutkasten im Krankenhaus liegt.

Später trifft sie noch auf Primula, ein Mädchen, dass aufgrund eine Herzfehlers nie richtig mit Kindern spielen durfte und die jetzt operiert wurde. Ein sehr frühreifen Mädchen, mit besonderen Ansichten.

Die Kinder möchten die Schwester Yasmine und Dr. de Gooier verkuppeln und schmieden Pläne. Um eine Lüge zu verdecken, lässt Fitz sich den Arm eingipsen. In der Gipsschicht versteckt sie die Eheringe der Eltern, die beide versteckt hatten.

Es gibt viele Handlungsstränge in dem Buch, es geht um den Beginn einer Liebe zwischen Fitz und Adam, die sich im neu gefallenen Schnee manifestiert.

Ich hatte viel Spaß beim Lesen, obwohl es immer wieder um sehr ernste Themen ging. Aber Fitz Gedanken, die manchmal etwas kraus und kindlich, manchmal sehr vernünftig und erwachsen waren, haben mich fasziniert.

 

Dagmar Mägdefrau

 

Im Jahr des Affen

 

Que Du Luu

 

Königskinder-Verlag

 

Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

Die besten 7 Bücher für junge Leser (Juni 2016)

White Ravens 2016

Nachwuchspreis 2016 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für "Im Jahr des Affen"

Nominiert für den Jugendliteraturpreis 2017

 

Zu Anfang kam ich etwas schlecht rein. Irgendwie war das nicht so richtig rund für mich. Eine junge Asiatin ging in Herford mit ihren Freundinnen in die Disco, ärgerte sich über ihren Pickel, trank zu viel Bier und machte sich an den Schwarm der Freundin ran.

Aber dann bekam der Vater einen Herzinfarkt und nur mit Hilfe des aus Australien angereisten Onkel Wu war Mini in der Lage das Restaurant des Vaters weiterzuführen.

Und dann erfährt der Lesende, dass die, als Dreijährige aus Vietnam als Bootpeople geflüchtete Chinesin, eine Banane ist: Außen gelb und innen weiß.

Und so erleben wir sie auch. Sie hat nie wirklich mit dem Vater gesprochen, kann sich an die Flucht oder das Leben davor nicht erinnern. Sie kennt weder chinesische Bräuche noch die kann sie die Sprache richtig sprechen, lesen schon gar nicht.

Das bringt uns ein wenig den Menschen näher, die sich in unserem Land zwar fast deutsch fühlen, aber durch ihr Aussehen als Fremde behandelt werden. Dabei sind Mini unsere Sitten näher, als die ihrer Ahnen. Der Vater hat keinen richtigen Glauben, ist aber für alles andere, wie Weihnachten, offen. Aber der Tochter fehlt der Halt ohne Geschichte und ohne Glauben.

Dabei lebt in Australien die ganze restliche Familie und das sind viele Tanten und Onkels. Doch der Vater wollte dem Kind die Freunde nicht nehmen, die sie hier gefunden hat und betreibt deshalb mehr schlecht als recht sein Lokal.

Ich habe viel gelernt über Chinesen, die wir ja alle aus dem Chinarestaurant kennen, die wir dort aber nur als "Diener" wahrnehmen. Die menschlichen Schicksale bleiben uns verborgen und wir haben auch nie danach gefragt. Wie auch, der Kellner kennt nur seine Karte und spricht sonst kein Deutsch.

Ein wirklich interessantes und spannendes Buch, dass ich jedem nur empfehlen kann, gerade, weil wir uns über die "Nichtintegrierten" wundern.

 

Dagmar Mägdefrau


 

Layers

 

Ursula Poznanski

 

Löwe

 

Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

 

Dorian lebt auf der Straße und wird, als er glaubt, er habe einen anderen Obdachlosen umgebracht, von Nico gerettet.

Der bringt ihn in die Villa von Bornheim, der die Jugendlichen aufnimmt und ihnen alles bietet, was sie brauchen. Lediglich der Zugang zum Internet ist ihnen versagt. Dafür verteilen die Jungen und Mädchen Flyer in der Stadt. Sie werden hingebracht, Mittags wird ihnen essen geliefert und am Abend werden sie abgeholt. Sie dürfen allerdings die 10 Schritte Zone nicht verlassen.

Dorian verliebt sich in Stella, die auch in der Villa lebt. Nach einiger Zeit bekommt Dorian einen neuen Job. Er soll bestimmten Personen ein Werbegeschenk übergeben. Das ist, unter den vorgegebenen Bedingungen, nicht immer einfach. Und irgendwann gelingt es ihm nicht das Päckchen zu übergeben.

Damit ist er wieder auf der Straße und in dem Paket ist eine Brille. Mit der eingeschalteten Brille sieht Dorian die Layers (Schichten, hier: projizierte Daten zu Personen, Gebäuden oder Firmen). Damit beginnt die Jagd und alles ist nicht so, wie es scheint.

Ein spannender Jugendroman mit viel Technik, aber auch Gefühl.

 

Dagmar Mägdefrau

 

 

City Crime

Pelzjagd in Paris

 

Andreas Schlüter

 

Tulipan

 

Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

 

Sicher macht diese Buch Lust auf einen Kurztrip nach Paris, um all die interessanten Schauplätze zu bestaunen. Leider hat mich der Krimi nicht so ganz überzeugt. Finn und Joanna sind mit dem Vater in Paris, da der aber beruflich eingebunden ist soll sich Lilou, die Tochter eines Freundes, um die beiden kümmern.

Leider hat sie viel anderes zu tun. So schleppt sie die zwei zunächst auf eine Modenschau. Dort macht Lilou Bilder von den pelztragenden Models und die beiden Hobbydetektive vermuten sofort einen neuen Fall. Es geht um Pelze, die von Pelzfarmen stammen, wo die Tiere schlecht gehalten werden und sogar um den seltenen Schneeleoparden.

Finn und Joanna ermitteln fleißig mit und begeben sich dabei in Gefahr.

Man lernt einiges über dieses grausige Fellgeschäft und über Paris, spannend ist die Geschichte auch, trotzdem empfinde ich sie etwas gezwungen.

 

Dagmar Mägdefrau

 

 

Tanz der Tiefseequalle

 

Stefanie Höfler

 

BELTZ&Gelberg

 

Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

Monatsluchs März 2017

 

Sera, ein hübsches Mädchen mit ägyptischen Wurzeln, ist beliebt in der Klasse und Marko, der Star bei den Jungs, möchte mit ihr zusammen sein.

Niko, ein fetter, hellhäutiger Junge, der bei seiner Oma wohnt, weil die getrennten Eltern ihn nicht mehr wollten, ist das beliebteste Mobbingopfer der Klasse.

Die kurzen Kapitel des Buches werden abwechseln und fortlaufend aus der Sicht dieser beiden Personen erzählt.

Auf der Klassenfahrt beobachtet Niko, dass Sera von Marko bedrängt wird und schreitet ein.

Später fordert Niko Sera zum Tanzen auf, zum Tanz der Tiefseequalle. Damit wechselt Sera die Seiten. Alle wenden sich von ihr ab und sie brennt mit Niko durch.

So kommt es, dass die beiden sich näher kennenlernen. Bald bemerkt Sera, dass Niko wunderschöne flaschengrüne Augen hat. Sie, die immer nur kurze Sätze spricht, freut sich über die poetischen Sätze von Niko. Überhaupt mutet Niko etwas altmodisch an, er ist sehr höflich, flucht nicht und handelt überlegt.

Sera merkt, dass ihr Freundschaft zu Melinda sehr oberflächlich war und stellt fest, dass Niko mit Little, einem hyperaktiven Jungen, einen richtigen Freund hat.

Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen, vielleicht weil meine Waage auch weit über Idealgewicht steht. Das Buch ist trotz des "schweren" Themas leicht zu lesen und humorvoll geschrieben.

 

Dagmar Mägdefrau

 

 

Mädchenmeute

 

Kirsten Fuchs

 

Rowolth

 

Empfehlung ab 14 Jahre

Jugendliteraturpreis 2016

 

Am liebsten würde ich das Buch noch nicht kennen, dann hätte ich es jetzt noch vor mir.

(Mir war nicht klar, dass man gleichzeitig so bildhaft und so schnörkellos schreiben kann.)

 

Ein Feriencamp für "Wilde Mädchen"? Etwas widerwillig, vor allem aus Mangel an spannenden Alternativen lässt sich Charlotte (15) von ihrer Mutter anmelden. Und schon nach den ersten Sätzen der Geschichte möchte man wissen, was das wohl geben mag.

Die Autorin nimmt die Leserinnen und Leser direkt mit in den Wald, zu den Mädchen, zur Leitung des Camps, dem Bedürfnisraum... eine skurrile, einfühlsame, spannende, lustige, überraschende,...  ach, lesen Sie selbst! Ich beneide Sie ;-)

 

PS: Völlig verdient der Preisträger des Jahres 2016

 

Sandra Koch-Wildschütz

 

 

 

Da kommen aufgrund einer Anzeige acht Mädchen in Berlin zum Bus mit der Aufschrift "Wildnis für wilde Mädchen". Sie wollen in ein Ferien-Fun-Survival-Camp, ohne Technik, ohne Handy und andere Zivilisationsdinge. Dafür mit festen Schuhen und einem Messer.

Inken ist die Leiterin, die sie begleiten wird "Na bitte, dachte ich (Charlotte/Charlie, die uns diese Geschichte erzählt) dann kommt bestimmt die richtige Gruppenleiterin, ein sportliche Frau, lustig und cool. Ohne Ketten und Armbänder und Fingernägel wie Mordwerkzeuge."

Aber es gibt niemand anderes, Inken bringt die Gruppe in ein altes DDR Lager. Sie lässt die Mädchen über Nacht allein und am nächsten Tag ist ein Mädchen nicht mehr da. Die anderen vermissen ihr Gepäck. Später taucht Inken zwar wieder auf, aber die Mädchen kommen auf die Idee auf eigne Faust ein Abenteuer zu erleben. Sie fahren gemeinsam nach Thüringen und wollen dort in einem alten Tunnel unterkommen. Auf der Fahrt treffen sie noch auf Leute, die Hunde in ihrem Auto verladen haben. So hat jedes Mädchen einen Hund zu versorgen.

Die Mädchen sind von ihren Charaktereingenschaften völlig unterschiedlich. Eine ist aus reichem Elternhaus, eine zieht mit den Eltern und Geschwister auf Mittelaltermärkte, Anntonia ist besonders schön und kennt sich im Wald aus. Außerdem kennt sie viele alte Sagen, die sich um diese Gegend ranken.

"An mir zog die Müdigkeit. Mein Kopf drohte, einfach vom Hals abzubrechen. Meine Augen wollten nichts ansehen. Meine Aufregung hatte nur bis hierher gereicht. Jetzt, wo es wirklich richtig aufregend wurde, hatte ich keine mehr übrig. Ich ahnte, wie Coolsein funktioniert. Cool bedeutete, dass im Leben schon einmal etwas Aufregendes passiert war, dass es danach nichts Aufregendes mehr gab." Das ist so ein besonderer Satz, der das Buch und seine Sprache auszeichnet. Die Gedankengänge von Charlie zu kennen, macht einfach Freude.

Manchmal war mir das Buch mit seinen 462 Seiten etwas zu lang. Der Aufenthalt im Wald und das Zusammensein mit den Hunden zog sich etwas. Dafür wurde das Buch zu Ende noch einmal richtig spannend. Es lohnt sich also durchaus dranzubleiben.

 

Dagmar Mägdefrau

 

 

Sophie im Narrenreich

 

Verena Petrasch

 

Beltz & Gelberg

 

Verlagsempfehlung ab  11  Jahre

 

Ich gehöre nicht zu den begeisterten Harry Potter Lesern und habe etwas Probleme mich in einer Phantasiewelt hineinzudenken. Aber dieses Buch hat mich schnell gefesselt.

Nachdem die Narren im Mittelalter verfolgt und gequält wurden, haben sie eine eigene Narrenwelt und sind für uns Menschen unsichtbar. Jeder erwachsene Mensch trägt ein Inneres Kind (das Kind, das er mal war) in sich. Deshalb können wir das Glück empfinden und auch mal närrisch sein. Wir erzeugen mit unserm Glück "Glücksmomente" von denen die Narren leben. Leider gibt es auch Schwarznarren, die den Menschen das Innere Kind rauben. Dadurch wird der Mensch schwermütig und depressiv. Aus dieser schrecklichen Situation kann die Narren nur die 12-jährige Sophie retten. Sie wechselt ins Narrenreich, eine spannend ausgedachte Welt mit phantastischen Narrenfiguren und wundersamen Landschaften. Hier muss sie zunächst mit Hilfe eines Buches Narreteien erlernen. Auch dieses Buch ist eine Besonderheit. Es will sich zuerst einem Menschenmädchen nicht öffnen, manchmal ist es beleidigt, häufig bietet es aber auch Auswege mit neuen Narreteien.

Ein spannende Buch mit überraschenden Wendungen und der Weisheit "Du hast immer eine Wahl". Ich habe es mit Begeisterung gelesen und denke viele Kinder werden, wie ich, die über 500 Seiten des Buches verschlingen und mit Sophie dem Kampf entgegenfiebern.

 

Dagmar Mägdefrau

 

 

Briefe von Hans

 

Susanne Maibaum

 

BVK LESEwelten

 

 

Verlagsempfehlung ab 11 Jahre

 

Ein Buch, das man…einmal aufgeschlagen, nicht mehr aus der Hand legen mag. Durch die gewählte Briefform, eingebettet in eine leicht nachvollziehbare Rahmenhandlung, wird fesselnd und gut verständlich die Geschichte des 1. Weltkriegs erzählt. Besonders berührend ist hierbei der Bezug zu einem Familienschicksal. Die „Briefe von Hans“ vermitteln aber nicht nur anschaulich geschichtliches Wissen, sondern machen den Bezug nachfolgender Generationen zu historischen Ereignissen nachvollziehbar…" das ist zwar alles schon viele Jahre her, aber es hat auch etwas mit mir zu tun, weil es meine Vorfahren und ihr Leben stark prägte“.

 

Anke Carlin

 

Vor 100 Jahren war Europa mitten im 1. Weltkrieg. Trotzdem wissen wir über diese Zeit nicht sehr viel. Meist nur die nackten Daten, zu stark wird er vom noch schlimmeren 2. Weltkrieg überschattet.

Nach dem Tod des Urgroßvaters findet die Familie im Nachlass Briefe von Hans und Friedrich. Friedrich ist der Vater des Verstorbenen und Hans war sein Bruder. Er zieht 1914 begeistert in den Krieg gegen Frankreich. Aber sehr schnell werden ihm die Schrecken des Krieges bewusst. Die Idee, mal eben Frankreich zu besiegen und Weihnachten wieder zu Hause zu sein, wird von der traurigen Realität von Hitze, Kälte, Hunger und Schmutz über-

schattet.

Ich weiß nicht, ob solche Briefe wirklich geschrieben wurden oder ob ein Soldat, der so am Sieg zweifelt, nicht vor ein Kriegsgericht gekommen wäre. Aber die Worte sind so eindringlich. Die verzweifelte Situation an der Front, die nie vorankommt, steht einem plastisch vor Augen. Die Angst, der ständige Lärm, der Geruch der Verwesung, das alles empfindet man mit Hans.

"Briefe an Hans" sind ein Appel gegen den Krieg, der aber leider schon beim jüngeren Bruder Friederich nicht ankommt. Er wünscht sich schnell Soldat zu werden. In seinen Briefen wird die Lage in Deutschland geschildert, auch hier Hunger und Kälte. Die Deutschen wollen nicht mehr siegen, sie wollen nur, dass alles wieder so wird wie vorher. Aber der Krieg dauert, wie wir wissen über vier lange Jahre.

Ein lesenswertes Buch, mit etwas über 100 Seiten auch für Nicht-Leseratten und lesefaule Jungen ein guter Tipp. 

 

Dagmar Mägdefrau

 

 

Auf Kaperfahrt mit Störtebeker

Spannende Graphic Novel aus der Hansezeit

 

Till Lenecke

 

Hinstorff

 

Verlagsempfehlung  ab 12 Jahre 

 

So richtig warm werde ich mit dieser Art Buch nicht. Vielleicht habe ich nicht den geschulten Comic-Blick. Ich kann oft die Personen, in schwarz/grau gezeichnet, nicht voneinander unterscheiden. Erst am Ende wurden die handelnden Personen vorgestellt. Der Text ist sparsam und ganz am Ende, in der Erklärung zu den Kapiteln, wurde mir einiges klarer.

Ich lese wahrscheinlich zu gerne, dass ich mich mit dem Wenigen ungern zufrieden geben mag. Trotzdem macht das Buch Weniglesern sicher viel Freude und macht sie neugierig auf die Seefahrt im Mittelalter, die sicher nicht romantisch, sondern böse und brutal war. Das versuchen die Zeichnungen auch zu vermitteln.

 

Dagmar Mägdefrau

 

 

Solo für Clara

 

Claudia Schreiber

 

Hanser

 

Verlagsempfehlung 12 Jahre

 

 

Um es vorweg zu nehmen: Ein außergewöhnliches und musikalisches Jugendbuch ab 12! Schon beim ersten Durchblättern habe ich die QR-Codes im Buch entdeckt. Normalerweise halte ich von einer schönen Gestaltung mehr, als von solch technischem Schnickschnack, aber hier erfüllt er wirklich einen guten Zweck und unterstützt den Lesegenuss. Die QR-Codes verweisen nämlich auf Musikstücke … Aber lieber erstmal kurz zum Inhalt: Clara van Bergen heißt das Mädchen, das der Leser hier von seinem zwölften Lebensjahr an begleitet, bis es 16 ist. In einzelnen Rückblicken springt man immer wieder in das Leben der jüngeren Clara.

Clara ist musikalisch, willensstark und äußerst intelligent. Schon als Fünfjährige beginnt sie auf eigenen Wunsch, Klavier zu spielen. Schnell stellt sich heraus, wie talentiert sie ist. Sie bekommt mehr Unterricht bei besseren Lehrern. Es dauert nicht lang, da hat sie den Vater mit ihrer Spielkompetenz überholt. Die Schulen werden danach ausgesucht, ob sie mit Claras Musik vereinbar sind und Clara weiß: ich möchte Pianistin werden. Ihr Glück scheint vollkommen, als sie im Alter von elf bei einem Professor Klavier studieren darf.
Der erste Teil des Buches liest sich rasant. Clara gelingt einfach alles: In der Schule ein Überflieger, am Klavier sowieso. Die QR-Codes am Rand des Romans verweise immer auf die Stücke, die Clara gerade spielt, sodass der Leser – mag er auch noch so unmusikalisch sein wie ich – eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie anspruchsvoll Claras Spiel ist. Zu dieser perfekten Welt passt auch der Schreibstil: positiv, heimelig und alles ist perfekt und aalglatt. Ich fühle mich sprachlich an Kinder- und Jugendbücher aus den 1950er Jahren erinnert und deren heile Welt. Und dann gibt es einen Bruch: Ging Clara bisher alles leicht von der Hand, werden mit Beginn des Studiums die Herausforderungen größer, der Druck stärker und sie unzufriedener. Plötzlich spielt die Konkurrenz zu anderen eine Rolle und Clara gelingt auch nicht mehr alles. Sie muss jetzt kämpfen. Auch der Sprachstil wechselt, wird kantiger, weniger gefällig. Was bleibt, sind die QR-Codes, die durch die Musik Claras inzwischen steinigen und anspruchsvollen Weg dokumentieren. „Ist die Musik denn alles?“, fragt Clara inzwischen erschöpft. Um sie herum geben viele Jugendliche, die denselben Weg gehen, auf. Und dann verliebt sich Clara auch noch.
Es hat nicht ganz einen Tag gedauert und ich musste mich schon wieder von Clara verabschieden, weil ich das Buch ausgelesen hatte – wie schade!

 

Katia Simon

Dies hier ist kein Tagebuch

 

Erna Sassen

aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

 

Verlag Freies Geistesleben

 

Nominierung Jugendliteraturpreis 2016, Kategorie: Preis der Jugendjury und Jugendbuch

 

Verlagsempfehlung ab 14 Jahre, auch als eBook erhältlich

 

Ein Buch mit schwarzem Einband zu einem dunklen Thema bei Jugendlichen: die Depression - liegt vor mir. Hier ist es der Autorin gelungen, dieses Problem in ungewöhnlicher Weise für die jungen LeserInnen verständlich zu machen.

Der 16-jährige Boudewijis, genannt Bou, verweigert fünf Jahre nach dem Tod seiner damals psychisch kranken Mutter alles, was das Leben lebendig macht.  Bou schreibt dazu: „Nicht zur Schule gehen, nicht essen, nicht schlafen, nicht reden, nicht wollen, nichts wollen, einfach überhaupt NICHTS ....“ (S. 5/6)

Diese Worte sprechen eine deutliche Sprache! Der Vater entwirft eine ungewöhnliche Therapie, um dem Sohn zu helfen, sich selbst die Tür zu einem positiven, zufriedenstellenden Leben wieder zu öffnen: er legt ihm ein leeres Heft und einige CD ́s in sein Zimmer und stellt ihm ein Ultimatum: entweder tägliche Eintragungen sowie Anhören von Musik oder aber Einweisung in die Psychiatrie! Bou akzeptiert das Heft und ist mit seinen Worten teils sehr ehrlich und selbstkritisch; beschreibt sich z.B. als „Weich-Ei“. Mit der Musik hat er jedoch zunächst große Schwierigkeiten: „Therapiemusik“ mit dem „heiligen Gesabber mit „gewaltigen Orchestern“ - er will keine „Rollatormusik“ !

Nachdem er mit dem Vater darüber gesprochen hat liegt am nächsten Morgen ein kleiner Stapel weiterer CD ́s vor seiner Zimmertür. Ein verständnisvoller Vater, sowie seine Tante Marjan und seine kleine Schwester Fussel, zu der er eine intensive, liebevolle Beziehung hat. Sie zeigt ihm ihre rührend naive Liebe auch immer mal wieder zwischendurch mit kleinen Aufmerksamkeiten! Außer in dieser seiner kleinen Familie befindet er sich außerhalb jeglicher sozialen Gemeinschaft. Im Verlaufe des Buches ändert sich dies ein wenig durch einen unregelmäßigen kleinen Briefwechsel mit einer Freundin. Die Reaktion des Vaters auf Bou ́s ersten Eintrag: „Für Unbefugte verboten“: „Ich muss es nicht wirklich lesen. Ich meine einfach nur, dass du ab und zu jemandem zeigen musst, dass du etwas hinein schreibst. Marjan oder Fussel zum Beispiel.“ (S. 7)

Die Eintragungen des Jungen sind allesamt sehr aufschlussreich: sie zeichnen das Bild eines Jugendlichen, der fast alles negiert, in dessen Kopf aber ein großer Mix an splitternder Gedanken zu Themen wie Altenheim, Extremisten, Alkohol, Samenspenden ....arbeitet.

Seine letzten Worte in seinem Heft: „War eigentlich gar keine so schlechte Idee von meinem Vater. Kein Tagebuch zu führen. Morgen kaufe ich ein neues. (Odernächstes Jahr).“

Ein sehr anspruchsvolles Buch, in welchem das Einfühlungsvermögen der jugendlichen LeserInnen stark gefordert und gefördert wird!

 

Annette Heine

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß

 

Christoph Wortberg

 

Beltz & Gelberg

 

Nominiert für den Jugendliteraturpreis 2016 in der Kategorie Jugendbücher

 

Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

 

Im vorliegenden Jugendroman stehen zwei Brüder im Zentrum ihrer Familie.

Jakob hat sich durch seinen selbst veranlassten Tod getrennt vom allzu

behüteten Familienleben. Lenny, der jüngere, gerät daraufhin immer stärker in

ein Geflecht der Aufklärung dieses für ihn zunächst unbegreiflichen

Selbstmordes.

„Was zum Teufel ist der Sinn des Lebens ohne Jakob?“

Die Suche nach den Ursachen führt ihn nach langen Umwegen bis hin zu einer

Gleichaltrigen, die seinen Bruder als letzte gesprochen und gesehen hat. Zu

dieser „Zeugin“ entwickelt sich nach und nach eine intensive Nähe.

Den LeserInnen werden die beiden Brüder durch ein ausgezeichnetes Mittel

immer vertrauter: im Verlauf der Gedanken von Lenny entwickeln sich fiktive

Gespräche, indem der Verstorbene Antworten auf die Gedanken des Jüngeren

gibt. Jakob hilft Lenny durch seine lockere, jugendliche Sprache dessen Trauer

zu verarbeiten. „....jetzt hör mal auf mit dem Mist! ....Ich bin tot, du lebst. Also

mach was draus!“ (S. 98) Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse werden

eingestreut, die wellenartig in die Gegenwart übergleiten ohne die auch nicht

unproblematische Familiensituation auszusparen.

„Mein Bruder war ein Held. Er ging, als es Zeit war zu gehen.“ (S. 185)

 

Ein Roman für Jugendliche ab ca. 15 Jahren, der durch eine ihnen gemäße

beeindruckende Sprache Gedanken, Gefühle und Handlungen sehr gut

nachvollziehbar macht, ohne gerade in Bezug zu dieser problematischen

Thematik emotional überfrachtet zu sein!

 

Annette Heine

Die Bibel für Ungläubige.Genesis.

 

Guus Kuijer

 

Kunstmann-Verlag

Keine Altersangabe

 

 

 

Der Titel dieses Buches benennt genau das, was den Leser erwartet: Das Buch Genesis aus der Bibel. Guus Kuijer hat seine eigene Version der Bibel aufgeschrieben. Eine Bibel nicht nur für Ungläubige müsste das Buch eigentlich heißen. Denn alle, die die biblischen Geschichten der Genesis über den Anfang der Welt, Adam und Eva, über Isaak oder über Jakob schon gut kennen, werden überrascht sein, dass sie die Geschichten einerseits wiedererkennen und andererseits so anders und neu lesen (oder vorgelesen bekommen).

Obwohl er selbst nicht an Gott glaubt, kennt Guus Kuijer die biblischen Geschichten in ihrer ursprünglichen Form besonders gut und hat sie mit viel Fantasie in seinen Texten lebendig werden lassen, indem er sie ergänzt und ihnen regelrecht Leben eingehaucht hat. Ein bisschen was hat er immer hinzugedichtet, die Figuren sind bunt und lebendig, die Hitze der Wüste ist spürbar und die Atmosphäre ist abenteuerlich. Ja, man kann sagen, die Geschichten sind spannender, emotionaler als die „Originale“ – und keine Sekunde langweilig. Dieses Buch fesselt alle – Große wie Kleine. Am besten liest man es zusammen.

Es ist ein Buch für die ganze Familie und zum Vorlesen auch für Kinder im Grundschulalter geeignet. Allein lesen lassen würde ich Kinder evtl. ab 10/11 Jahren.

 

Katia Simon

Kinshasa Dreams

 

Anne Kuschnarowas

 

Beltz & Gelberg

 

Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendbücher 2014
Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 2013

 

Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

 

Das Buch ist aus dem Jahr 2012 und gerade heute wieder ganz aktuell. Jengo, jetzt wird er Iron Joe genannt, und steht als Boxer in Deutschland vor dem alles entscheidenden Kampf.

Schon seine Geburt in Zaire, jetzt Demokratische Republik Kongo, war ein Kampf ins Leben. Ein fester Pol in seinem Leben ist sein Großvater, der ihn auch zum Boxen bringt.

So gibt es im Buch zwei vorrangige Themen: einmal die politische und persönliche Situation, die letztendlich zur Flucht führt und zu anderen sein Aufstieg zum Boxer. Sein großes Idol ist Muhammad Ali, der in Kinshasa am 30.10.1974 seinen Weltmeistertitel  beim "Rumble in the Jungle" zurückeroberte. In diesem inzwischen herruntergekommen Stadion macht Jengo seine erste Boxerfahrung.

Da sein familiäre Situation sich dramatisch verändert, flüchtet der Junge mit einem Freund in einem Flugzeug. Leider bringt ihn dieses nicht in die Freiheit, sondern nach Ägypten. Nach einer aufregenden Zeit dort, gelingt es ihm nach Libyen weiter zu kommen und von dort geht es mit dem Schiff nach Italien. Leider wird er von dort wieder zurück geschickt. "Wäre er doch besser auf dem Meer verreckt."

Seine zweite Flucht über die Balkanroute wird nicht mehr so eindringlich geschildert. Aber sein aufregendes Leben in Paris, wo er hofft, seine Mutter zu finden.

Letztendlich findet er aber seinen Weg als Boxer und steht, so beginnt ja das Buch, vor seinem Kampf.

 

Nach seinem Tod wird ja wieder viel von Muhammad Ali berichtet und so hat das Buch damit seinen zweiten aktuellen Aufhänger.

Sicher ein Buch für männliche, jugendliche Leser, aber durch die Beschreibung der Flucht auch für Erwachsene interessant.

 

Dagmar Mägdefrau

Hyänenwinter

 

Bettina Meinzinger

 

Autumnus Verlag

 

Verlagsempfehlung 10-14 Jahre

 

Auf dem Cover steht "Eine surreale, fabelhafte Geschichte aus der Weihnachtszeit". Ich muss leider zugeben, mir war sie zu surreal und ich fand sie nicht fabelhaft. Ich habe dieses Buch schlicht nicht verstanden, ich habe keinen Zugang zur Geschichte gefunden. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich zu realistisch bin. Wobei Märchen gefallen mir durchaus.

 

Dagmar Mägdefrau

Wer morgens lacht

 

Mirjam Pressler

 

Beltz Verlagsgruppe

 

Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

 

 

Ich habe beim Lesen oft an das Verhältnis meiner Töchter zueinander gedacht.

Auch da gab es Vorwürfe und Eifersucht, die für mich nicht erklärbar waren.

Aus Annes Sicht wurde ihre Schwester immer bevorzugt konnte machen, was sie wollte. Die Eltern gaben immer nach. Nach ihrem Verschwinden versucht Anne ihre Schwester zu ersetzen, zu imitieren. Aber sie bleibt doch Anne.

Vieles klärt sich im Lauf des Buches, zum Teil auch das Verhältnis zu den Eltern.

Zurück bleibt eine Schwester, die ihre Schwester hasst und liest und in der immer ein Teil von ihr bleiben wird.

Mich hat dieses Buch von Frau Pressler sehr angesprochen, obwohl mir auch einiges fremd blieb.

 

Dagmar Mägdefrau

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

 

John Green

 

Carl Hanser Verlag

 

Das Buch wurde 2014 verfilmt

 

Altersangabe ab 12 Jahre


„Selbsthilfegruppe“, oh je, wo ist die selbstbewusste, oft kaltschnäuzige und mitunter auch nicht gerade liebenswerte 16-jährige Hazel Grace da nur auf Drängen der Mutter hinein geraten!?
Junge Menschen, die so wie sie alle mit schweren körperlichen Erkrankungen, die bei dem einem oder der anderen sogar bis zum Tode führen, werden hier geleitet von einem jungen Mann, der ihnen helfen soll, auch depressive Stimmungen zu überwinden. Hazel will auf Grund ihrer Krebserkrankung von niemandem bemitleidet werden, auch nicht von GUS, der gehandicapt durch eine Beinprothese ebenfalls an den Gruppen-Sitzungen teilnimmt.
Kitschige Liebes-Geschichte mit traurigem Ende also schon vorher bestimmt?
Weit gefehlt! Die Beiden springen auf direktem Weg in eine spannungsgeladene Beziehung und haben miteinander trotz Einschränkungen durch ihre Erkrankungen turbulente Erlebnisse, die sich zum Teil auch um den Bereich Literatur ranken. Nach dem Lesen eines unvollendeten Romans setzen sie sich mit aller Kraft ein Ziel: direkte Kontaktaufnahme mit dem Autor in Amsterdam auf dem europäischen Kontinent.
Die Sprache der Ich-Erzählung macht es insbesondere Jugendlichen sehr leicht, das Buch nicht so schnell aus der Hand zu legen, aber auch Erwachsene werden im Verlauf des Romans schnell nicht nur die Hauptpersonen zu mögen und voller Spannung gemeinsam mit ihnen durch die lebendigen Seiten reisen.

„Ich ging ans Telefon und sagte: „Schlechte Nachrichten“, und er sagte:
„Scheiße. Was denn?“ „Ich kann nicht nach Amsterdam. Einer meiner Ärzte hält es für keine gute Idee.“ Er schwieg einen Moment „Mann“, sagte er dann. „Ich hätte einfach selbst zahlen sollen. Hätte dich direkt von dem Skelett nach Amsterdam verschleppen sollen.“ „Dann wäre ich wahrscheinlich in Amsterdam an Sauerstoffunterversorgung gestorben, und meine Leiche wäre im Frachtraum nach Hause geflogen“, sagte ich. (S. 111)

 

Annette Heine

Und das nennt ihr Mut


Inge Meyer-Dietrich (Autorin)
Susanne Haberer (Illustratorin)

Ravensburger Buchverlag
Altersempfehlung  ab 12 Jahren


Wie in etlichen Jugendbüchern für die Altersstufe ab 12 Jahren geht es auch hier um eine Jungenbande. Der Herrscher dieser „Gang“: Mike geht in die gleiche Klasse wie die Hauptperson dieser spannenden Geschichte: Andy, dessen Ziel es ist, in Mikes Bande aufgenommen zu werden. Dies wird ihm jedoch erst durch Diebstahl als Mutprobe möglich gemacht.

Trotz Erfüllung dieser gefährlichen Aufgabe macht die Bande ihn vor der gesamten Klasse lächerlich, und er fühlt sich dementsprechend isoliert. Drohbriefe, die jeder lesen kann, wandern über die Tische hinüber zu ihm herüber – er hat sich noch nie so extrem unwohl und bedroht gefühlt! Nach dem Vorstellen eines neuen Mitschülers Henner macht sich die Bande auch über ihn sofort lustig: „Henner – Penner!“

Für Andy gibt es nur noch ein Ziel: er will aus der Gang austreten! Bisher hat er sich leider weder seinem sehr verständnisvollen Klassenlehrer noch seinen Eltern anvertraut – er öffnet sich jedoch dem neuen Schüler gegenüber.

Fast zum Ende der Geschichte gibt es noch einmal einen Höhepunkt dadurch, dass an die elterliche Hauswand groß „Hier wohnt ein Dieb“ geschrieben wird!

Die zwischendurch eingestreuten kleinen grau-schwarz-weißen Fotocollagen nehmen nichts von der Farbigkeit dieser spannenden Geschichte, die mit pädagogischem Hintergrund absolut empfehlenswert ist und die jungen LeserInnen von der ersten Seite an fesseln wird!

 

Annette Heine
 

Hildegundis und die Kinderkrone


von Regina E.G. Schymiczek

Books on Demand oder Kindl

 

 

Die Kunsthistorikerin Regina E.G. Schymiczek erzählt in ihrem historischen Roman die Geschichte der Kinderkrone Otto III. , die sich heute in der Schatzkammer des Essener Doms befindet. Die Umstände, unter denen die Kinderkrone dorthin gelangte, sind bis heute ungeklärt. In ihrem Roman verwickelt die Autorin fiktive Protagonisten in eine schlüssige und spannende Geschichte und lässt sie auf realhistorische Personen treffen. Die Schilderung der gesellschaftlichen und landschaftlichen Gegebenheiten wirken dabei realistisch und glaubwürdig und der Autorin gelingt es, ein farbenprächtiges Bild ihrer Protagonisten und der Zeit vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen.

Wegen seines Umfangs, seiner relativ komplexen Sprache und einigen wenigen Längen empfiehlt sich das Buch besonders für historisch interessierte Leserinnen ab 13 Jahren.

 

Sabine Malischewski

Die Kurzhosengang
 

Victor Caspak, Yves Lanois  (Hinter den beiden Autoren verbirgt sich der Autor Zoran Drvenkar)

Illustrationen Ole Könnecke
Übersetzung Andreas Steinhöfel


Carlsen Verlag  (auch als Kindle)
 

Altersangabe ab 12 Jahre

Auf der Kinder- und Jugendbuchliste SR, WDR, Radio Bremen, Frühjahr 2004
Ausgezeichnet mit 'Die besten 7 Bücher für junge Leser', 04-2004

Deutscher Jugendliteraturpreis 2005 in der Kategorie Kinderbuch
 

Ich hatte mich für diesen Titel entschieden, weil ich durch Kritiken darauf aufmerksam geworden bin. Die Kritik ließ eine witzige Geschichte vermuten, die mich neugierig machte.
Stoff und Inhalt
Vorwort und Fußnoten verworren, nicht kindgemäß – eher für erwachsene LeserInnen gedacht (Hier fängt das Verwirrspiel von Steinhöfel und Könneke an. Mehr über das Verwirrspiel am Schluss)
4 Jungen, 11 Jahre gehen in einer Kleinstadt in Kanada in die Schule und erleben aberwitzige Geschichten, die sie unfreiwillig zu Helden machen und jedes Mal ins Fernsehen bringen. Sie verleben jede freie Minute miteinander, fühlen sich schon sehr erwachsen, gucken Horrorfilme – wenn die Eltern weg sind –und halten wie Pech und Schwefel zueinander.
Als 1. erzählt Rudolpho, wie sie zum Namen „Kurzhosengang“ kamen. Während einer Turnstunde wird durch einen Orkan die halbe Schule weggerissen. Wie sie ihre Mitschüler nach einer halsbrecherischen Fahrt mit einem gekaperten Feuerwagen retten, versetzt den Leser in Erstaunen.
Als 2. erzählt Island, wie sich die Kurzhosengang mit der Pauli-Gang streiten – sie hassen sich seit dem Kindergarten. Bei einem Eishockeyspiel schießt ein Puck in hohem Bogen aus dem Stadion. Die Kurzhosengang will den Puck in 10 Minuten finden, weil sonst das Spiel abgebrochen wird. Doch dabei entdecken sie eine Frau, die vom Schnee in ihrem Auto eingeschlossen ist und gerade ein Kind gebiert. So werden sie unfreiwillig zu Geburtshelfern und landen als Helden im Fernsehen.
Die 3. Geschichte erzählt Snickers. Nach einer Schneeballschlacht mit der Pauli-Gang hämmert es an der Tür. Es ist ein Grizzly, der sich Eingang ins Haus verschafft und für große Verwirrung sorgt. Nachdem die Polizei mit einem Hubschrauber den eingeschlafenen Grizzly in die kanadischen Wälder zurücktransportiert, kommt die Kurzhosengang zum 3. Mal ins Fernsehen.
In der 4. Geschichte spricht Zement (er ist ein „Dappes“ – etwas langsam, aber liebenswert) mit seinem Schutzengel Lothar und anderen Geistern. Dadurch kann er ein Zugunglück im letzten Moment verhindern. S. 200 und 201 vorlesen.
Lebenswelt: Kanada = fremd, Jungengang vertraute Handlungsweisen – auch wenn alle Situationen überzeichnet sind – man kann es einfach nicht glauben, was da geschieht.
Identifikation = starke und schwache Personen mit eigener Identität, unterschiedlichem Charakter und Qualität.
Grundaussage: Freundschaft in der Gang, d. h. man hält zusammen, hilft sich und sei die Situation auch noch so extrem.
Die Geschichten bzw. Abenteuer sind ausgesprochen originell, die Extremsituationen widersprechen jeglicher Klischeevorstellung.
Thema: Kanada – Winter – Land, Schule, Handlung 4 x mit eigenem Spannungsbogen, der immer im Fernsehstudio endet.
Sprache und Stil: erst befremdlich, Jugendsprache wirkt authentisch, viel direkte Rede. Viel Ironie und überbordende Situationskomik. Dies setzt aber auch Raum frei für eigene Fantasie.

Fazit: Nimm’s leicht, denn es könnte noch schlimmer kommen. Aber wenn es schlimm kommt, sind gute Freunde lebensnotwendig.
Aussehen: comichaft, witzig. Doch ich dachte, die Illustrationen richten sich eher an 8jährige.
Meine persönliche Meinung: Am Anfang schienen mir die Situationen sehr überzogen, nicht nachvollziehbar. Erst bei der Grizzly-Geschichte begann ich den Witz zu begreifen. Danach habe ich das Buch mit großem Vergnügen zuende gelesen.
Ich habe bei der Buchmesse die Preisverleihung miterlebt und auch die Interviews am nächsten Tag. Danach hatte ich den Eindruck, Steinhöfel und Könneke haben sich den Gag ausgedacht, um die gesamte Literaturszene zu verwirren, zu verunsichern und sie als Farce zu entlarven. Doch es war ein Trio, zu den beiden vorgenannten outete sich später noch Zoran Drvenkar. Die drei amüsieren sich darüber königlich, wahrscheinlich noch heute!

 

Gisela Kühn

Glückwunsch, du bist ein Mädchen!
Anleitung zum Klarkommen

Sonja Eismann / Christina Köver
Daniela Burger  (Illustratorin)



BELTZ & Gelberg
 

Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

Wir könnten Mädchen zurufen: "Glückwunsch, du hältst dieses Buch in der Hand!", denn schon das Inhaltsverzeichnis mit 6 großen Themenbereichen und jeweils 4-7 Untertiteln in spannenden Formulierungen wird Mädchen sicherlich sofort dazu anregen, durch die Seiten zu stöbern! Hier nur einige Beispiele:

- Schluss mit dem Traum vom Dünn sein!
- Wie, mit wem, wie oft und warum nicht?
- Sport dürfen statt müssen!
- Mode muss Spaß machen, nicht schlank!

Die Autorinnen machen zunächst Schluss mit Klischees rund um das stereotypische Idealbild von Weiblichkeit, um dann durch kreative Lebenshilfe und Unterstützung einen Weg zur Selbstfindung zu ermöglichen unter dem Motto: -"Lerne dich so zu mögen, wie du bist!"-
Durch eine überaus vielseitige farbige Gestaltung von Bild und Text durch Fotos, Zeichnungen, durch die Seiten begleitend eingestreuten Illustrationen und Infos am Rand der Seiten z.B. unter "Tipp" "Stopp" "Achtung" "Hoppla" werden die Leserinnen absolut nicht gelangweilt. Das Buch vermag durchweg Freude zu machen, sogar zu ernsten Themen wie "Wut" "Körperhülle" "Lästern" "Eifersucht". Zwischen den Textseiten gibt es Platz, um die eigene Meinung, Fragen zum Thema und Diskussionspunkte für mögliche Gespräche mit Freundinnen zu notieren. Die Autorinnen beleuchten und erarbeiten die von ihnen ausgewählten Themen anders als üblich und gehen Probleme z.T. ungewöhnlich an. Interessantes Hintergrundwissen sowie Interviews mit aktiven Fachfrauen, Infos über Hilfsangebote etc. erweitern die Themenbereiche und werden das Interesse einiger Mädchen wecken, zu einzelnen Stichwörtern selbst zu forschen.
Die jungen Leserinnen werden durch die Seiten sprachlich freundschaftlich begleitet; Wörter in Alltagssprache wie: "Klamotten" "voll fett" "Size-Zero-Model" "durch die Betten rollen" sind ebenso eingestreut wie Fremdwörter. Diese werden jedoch ohne weitere Erklärungen teilweise unverständlich bleiben, denn nicht jedes Mädchen wird Lust haben, selbst zu übersetzen. Hier einige Beispiele: "Eloquenz, Mythos, Analyse, perfide, profilieren, Empathie, Kodex, kulturell konstruierte Identität".
Wie deutlich wird, bietet das Buch inhaltlich eine umfangreiche Themenfülle und zeigt kein Problem, es immer mal wieder aus der Hand zu legen. Die 151 Seiten sind von daher keine Überforderung.

 

Annette Heine

Wie man unsterblich wird
- Jede Minute zählt -


Sally Nicholls

Übersetzung: Birgitt Kollmann

Carl Hanser Verlag

Altersempfehlung  von 7 - 11 Jahren

Ausgezeichnet mit dem Luchs des Jahres 2008 und nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009, Kategorie Preis der Jugendlichen

 

Fragen über Fragen, die sich der 11-jährige an Leukämie erkrankte Sam stellt. Darunter sind Fragen wie folgende: „Warum lässt Gott Kinder krank werden?“ Er weiß bereits während des Schreibens, dass ihm niemand eine Antwort darauf geben kann. Auch sein Wissen über die Krankheit ist so schonungslos realistisch, dass er in seiner Einführung bereits schreibt „Wenn du das hier liest, bin ich vermutlich tot.“ Diese Äußerung steht am Ende einer einführenden Liste. Sams tagebuchartige Erzählung teilt das Buch in abwechslungsreiche Kapitel ein; eine Erleichterung für junge LeserInnen!
Trotz des begrenzten Lebens von Sam wird Mut vermittelt durch die ungewöhnliche Haus-Lehrerin, die Sam und seinen krebserkrankten und auf den Rollstuhl angewiesenen Freund Felix unterrichtet.
Sie schafft es durch eine Reihe von ihr in Auftrag gegebenen Listen, derer beider Leben zu verändern. Durch die Frage nach von ihnen erwünschten und bevorzugten Erlebnissen setzt sie ihnen neue Ziele – wenn auch nur kurzzeitig aufgrund ihres absolut begrenzten Lebens.
Im Mittelpunkt steht weiterhin Sam, denn der hilflosere Felix ist derjenige, der ihn zu Aktivitäten drängt und ihn dabei unterstützt. Wünsche unterschiedlichster Art tauchen auf:
ein Mädchen küssen, ein berühmter Forscher werden, in einem Zeppelin fahren …
Familie und Freundschaft bedeuten in diesem Buch absolute Hilfe, Rückhalt und Wärme! Eine ungewöhnliche Konfrontation mit unheilbarem Leid und trotzdem gespickt mit Komik zum Schmunzeln – Jugendliche, sowie Eltern und Lehrer werden sicherlich so wie ich in den bewegenden Bann gezogen werden!
Dieses Erstlingswerk der jungen 25-jährigen Autorin hat bereits mehrere Literaturpreise gewonnen und ist in 18 Sprachen übersetzt.

 

Annette Heine

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